Einwöchiger internationalen Jugendaustausch in Dakhla (Marokko)

Juli 2011: Finanziell gefördert durch den Partnerschaftsverein und der HĂŒls-Stiftung

Wenn man den Schritt wagt auf einen anderen Kontinent zu fliegen und sich dabei bewusst ist, die nĂ€chsten Tage mit nicht nur einer anderen Kultur konfrontiert zu werden, sollte man  offen genug sein, um  sich diesem interessanten Abenteuer zu stellen.
Jugendliche aus England, Frankreich, dem Senegal, PalÀstina, Marokko und Deutschland versammelten sich diesen Sommer, um an dem ersten internationalen Jugendaustausch in Dakhla, Marokko, teilzunehmen. Es war nicht immer leicht miteinander auszukommen, denn die verschiedenen Kulturen wiesen erhebliche Unterschiede auf.
Als Erstes möchte ich mit dem kulturellen Punkt der Sprache anfangen. Um ĂŒberhaupt miteinander kommunizieren zu können wurde uns vorher gesagt, es sei Voraussetzung gut Französisch zu sprechen, da dies die offizielle Amtssprache in der Westsahara sei.  Folglich „bewarb“ sich sozusagen unsere deutsche Gruppe, die ausschließlich aus MĂ€dchen bestand, mit einem auf Französisch geschriebenen Motivationsschreiben. In Creil, Frankreich, trafen wir nun auf die EnglĂ€nder, die wie wir schnell bemerkten, bis auf eine Ausnahme, fast kein Wort französisch sprachen. Nun gut, dass EnglĂ€nder sich nichts aus anderen Sprachen machten, war keine Überraschung, jedoch gingen wir davon aus, es sei Pflicht gewesen, Französisch zu können, um ĂŒberhaupt ansatzweise den kommenden Debatten folgen zu können. Da die Debatten nachher aber auch auf Englisch stattfanden, traten Gott sei Dank keine Sprachprobleme auf.
In Marokko angekommen standen wir erstmal unter Schock. Es hatte ja niemand geahnt, welch ein Event dieser Jugendaustausch fĂŒr die Marokkaner darstellen wĂŒrde. Wir stiegen aus dem Flugzeug spĂ€t abends aus und wurden von den wichtigsten MĂ€nnern Dakhlas begrĂŒĂŸt. Und nicht zu vergessen wurde das alles permanent gefilmt! Es fĂŒhlte sich so an, als hĂ€tten die Marokkaner noch nie EuropĂ€er live gesehen. Die Marokkaner  empfingen uns sehr herzlich und um den Abend vollkommen zu machen, tanzten einige Frauen einen traditionellen marokkanischen Tanz direkt vor dem Flughafen. Es war sehr interessant und zur Krönung durften wir sogar selbst unsere TanzkĂŒnste unter Beweis stellen.
Wir dachten, diese „Aufruhr“ wĂŒrde sich auf den Abend unserer Ankunft beschrĂ€nken, aber die folgenden Tage wurden praktisch bis auf die letzte Minute auf Band festgehalten und mit Interviews zum Thema „Wie fĂŒhlst du dich in Marokko und wie gefĂ€llt es dir hier?“ unterstĂŒtzt. Es dauerte seine Zeit, dass man sich daran gewöhnte praktisch wie ein Star behandelt zu werden. Es folgte uns permanent Polizei und uns wurde alles abgenommen, was man uns abnehmen hĂ€tte können: Unsere Koffer wurden getragen, die kleinen Omnibusse wurden immer direkt vor der TĂŒr in einer ordentlichen Reihe geparkt, damit wir ja keinen Schritt zu Fuß gehen mussten, es stand uns jeder Zeit ein Ansprechpartner, der Französisch und Englisch konnte, zur VerfĂŒgung und selbst das Essen wurde uns direkt fertigOum-La-Bouir auf einen Teller gepackt und vor die Nase gestellt. Die Marokkaner gaben sich wirklich erdenklich viel MĂŒhe mit ihren GĂ€sten. Allerdings fing diese –fĂŒr europĂ€ische VerhĂ€ltnisse ĂŒbertriebene -Gastfreundlichkeit an, an unseren Nerven zu zerren. Uns wurde schnell klar, dass die Marokkaner eine komplett andere Gesellschaftsstruktur haben als wir. Sie leben eher als Gruppe und zelebrieren jede AktivitĂ€t als Gemeinschaft.
Ein derartiges internationales Treffen verlangt natĂŒrlich allen Beteiligten ein Höchstmaß an Integrationsbereitschaft ab. Dies war nicht immer ganz leicht. Die Marokkaner verlangten von uns sich gut in ihre Kultur zu integrieren, die sie versuchten von ihrer besten Seite zu prĂ€sentieren. Sie tanzten und sangen lautstark zu arabischer Musik, forderten uns auf mitzutanzen, teilweise zogen sie uns auch einfach auf die TanzflĂ€che und ließen uns wie so oft keine Wahl. Oder wir sollten uns mit marokkanischer traditioneller Tracht kleiden. Aber sie selbst sprachen oft arabisch miteinander und zeigten wenig Interesse an unserer Kultur. Dies hĂ€tte aber meiner Meinung nach auch zu einem wirklichen Austausch dazu gehört. Unsere Unterbringung erfolgte in einem recht modernen, erst kĂŒrzlich gebauten Jugendzentrum. Dort teilten wir die Zimmer jeweils zu 7. Ein Problem war das Wasser: Ob man nun Wasser im Badezimmer hatte oder nicht, war reine GlĂŒckssache und wenn man dann mal welches hatte, war es kalt und floss in recht ĂŒberschaubarem Maße aus dem Duschkopf. Jedoch bemĂŒhten sich die Marokkaner bei jedem Wasserausfall sehr, die Anlage wieder in Gang zu bekommen. Hier konnte man hautnah merken, dass bei einer Stadt in der WĂŒste (es regnet ca. 3 Mal im Jahr) die Wasserversorgung durchaus einen Luxus darstellt.
Wenn man eins nicht sagen kann, dann ist es, dass wir wĂ€hrend unserer Woche nicht gut mit Essen versorgt wurden. Es gab eigentlich immer irgendetwas zu essen. FĂŒr die weniger WĂ€hlerischen und Offenen ein Traum, doch so manch einer empfand die Speisen als eine ungewöhnliche Herausforderung.
Das FrĂŒhstĂŒck war eher schlicht gehalten, mit einer eher französischen Esskultur. Es gab BrotĂ€hnliches, Pfannkuchen mit KonfitĂŒre zum Stippen in Tee oder Kaffee. Wobei man zu Tee sagen muss, dass es nur eine Sorte Tee gab und die -je nachdem, wann sie ausgeschenkt wurde-, entweder sehr sĂŒĂŸ oder sehr bitter schmeckte.
Vor dem Mittagessen gab es oft noch eine Kaffeepause, zu der wieder Tee und manchmal sĂŒĂŸes GebĂ€ck gereicht wurden. Das „richtige“ Essen fand dann so gegen 14 Uhr in verschieden Orten je nach Tagesplanung statt. In den Restaurants gab es zum Beispiel einmal eine GemĂŒseplatte als Vorspeise, zum Hauptgang einen Teller mit verschiedenen MeeresfrĂŒchten und als Nachtisch Obst.
Die Mahlzeiten im Center waren als kaltes oder lauwarmes Buffet aufgebaut mit GemĂŒse, Fleisch, Salaten und Brot. Als Vorspeise gab es oft Suppe, die meistens mit Kamelfleisch zubereitet war. Kamelfleisch war auch oft Hauptbestandteil des Abendessens und ist ein sehr typisches Gericht fĂŒr diese Region.
Sehr interessant war auch die Art und Weise, wie gegessen wird. In den RÀumen gibt es meist runde Tische, um die alle Teilnehmer sich versammeln. ZunÀchst wird die jeweilige Suppe an alle verteilt und ein Kellner kommt zu jedem an den Tisch und bietet Brot an. Danach wird abgerÀumt und eine Platte mit dem Hauptgericht serviert, vom dem sich jeder mit seiner Gabel nimmt.

Debatten

Im Mittelpunkt der Woche in Marokko stand der internationale Austausch, das Teilen der eigenen Kultur und das Kennen lernen anderer Sitten und BrĂ€uche. Um das Sprachproblem zu umgehen, fanden die Diskussionen sowohl auf englisch als auch auf französisch statt. Besonders die 1. Debatte, die die Gleichberechtigung von Mann und Frau zum Thema hatte, wurde von allen Beteiligten engagiert gefĂŒhrt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturen wurden dabei sehr deutlich. WĂ€hrend fĂŒr die Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich und England die Gleichberechtigung der Geschlechter im Alltag absolut normal ist, berichteten die Marokkaner, Senegalesen und PalĂ€stinenser ĂŒber teil erhebliche Unterschiede. So ist es beispielsweise einer Frau in diesen LĂ€ndern nicht erlaubt, bei Dunkelheit das Haus zu verlassen. Sehr unterschiedliche waren auch die Reaktionen der Teilnehmer auf diese Beispiele der ungleichen Behandlung. Viele kritisierten dies und sprachen sich fĂŒr mehr Gleichberechtigung aus, einige (mĂ€nnliche) Teilnehmer Ă€ußerten aber auch offen ihr Missfallen daran, dass zu viel fĂŒr die Frauen getan werde. HĂ€ufig wurde mit dem Zitieren des Korans begrĂŒndet, dass Frauen „natĂŒrlicherweise“ nicht die gleichen Rechte haben sollten.
In den europĂ€ischen LĂ€ndern zeigt sich vor allem im Berufsleben eine immer noch existierende Ungerechtigkeit zwischen Mann und Frau: hĂ€ufig werden Frauen fĂŒr die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als MĂ€nner, darĂŒber hinaus sind die Top-Positionen zu einem ĂŒberwiegenden Anteil mit MĂ€nnern besetzt.
Teilnehmer aus allen LĂ€ndern konnten berichten, dass es in den letzten Jahren eine Tendenz zu mehr Gleichberechtigung gibt, die sich in den verschiedensten Bereichen Ă€ußert, z.B. in der EinfĂŒhrung einer Frauenquote in der Wirtschaft oder der immer seltener praktizierten Polygamie. So blieb trotz aller noch existierender Probleme – je nach Kultur, Religion und Entwicklungsstand der einzelnen LĂ€nder unterschiedlich stark ausgeprĂ€gt – der positive Eindruck hĂ€ngen, dass etwas in die richtige Richtung getan wird.

Ein weiteres Thema, mit dem in den Teilnehmer-LĂ€ndern völlig verschieden umgegangen wird, war das Problem der MĂŒll-Vermeidung und – Beseitigung. Die Deutschen gelten ja allgemein als ordentlich und werden weltweit fĂŒr die MĂŒlltrennung bewundert und belĂ€chelt. Auch in Dakhla waren die verschiedenen Ansichten zum Thema Umwelt stĂ€ndig prĂ€sent. Bei den Fahrten durch die WĂŒste und auch in der Stadt selbst, fand man andauernd PET-Flaschen am Straßenrand, fĂŒr die EuropĂ€er schon ein ungewohnter Anblick. WĂ€hrend eines Ausflugs wurden wir unglĂ€ubig bestaunt, weil wir unsere leeren GetrĂ€nkedosen in unsere Taschen steckten und nicht wie die  Senegalesen und Marokkaner einfach aus dem Fenster warfen. Eines Tages konnte man aus dem Fenster einen Mann beobachten, der das GrundstĂŒck des Jugendzentrums sĂ€ubern sollte. Er schmiss einfach den MĂŒll ĂŒber die hohe Mauer auf das NachbargrundstĂŒck. Damit war fĂŒr ihn die Arbeit getan. Er hatte das GrundstĂŒck sauber gemacht.
Es bleibt zu hoffen, dass die EuropĂ€er bei den anderen Teilnehmern ein gewisses VerstĂ€ndnis dafĂŒr wecken konnten, dass und warum uns die Umwelt am Herzen liegt, so dass sich in diesem Bereich in den nĂ€chsten Jahren vielleicht ebenfalls etwas verĂ€ndern wird.

Sportliche AktivitÀten am Strand und Windsurfen

Um die nĂ€hre Umgebung ein wenig besser kennen zu lernen, haben wir drei Vormittage am Strand Oum-La-Bouir verbDakhla_Strand_Vorschauracht. Dort erwarteten uns schon zwei MĂ€nner, die fĂŒr das AufwĂ€rmprogramm zustĂ€ndig waren. Es wurde auf der Stelle gelaufen, gedehnt und sich locker gemacht. Da das Tagesprogramm ebenfalls den Punkt „Selbstverteidigung“ enthielt, kamen nun PartnerĂŒbungen zur richtigen Verteidigungshaltung an die Reihe. Wie auf den Fotos zu sehen ist, hatten alle eine Menge Spaß.
Anschließend trafen wir uns in zuvor gebildeten Gruppen um ein Volleyball- und ein Fußballturnier zu veranstalten. Jede Gruppe hatte einen Teamleiter und eine Teamfarbe. Und schon konnte es losgehen.
Das Volleyballspielen gestaltete sich aufgrund des recht starken Windes etwas schwierig. Richtige SpielzĂŒge kamen nur selten zu Stande, doch der Spaß am Spiel, motivierende Musik auf voller LautstĂ€rke und das Panorama des Strandes sorgten fĂŒr gute Stimmung. Auch beim Fußballspiel wurde um jeden Ball gekĂ€mpft und keiner der Spieler war sich zu schade auch einmal ins knietiefe Wasser zu laufen um den Ball fĂŒr seine Mannschaft gewinnen zu kDakhla_Surf_Vorschauönnen.
Auch Schwimmen war natĂŒrlich möglich und war trotz der ĂŒberraschend niedrigen Wassertemperatur des Atlantiks ein großer Spaß, nicht zuletzt wegen der hohen Wellen.
Ein weiterer Programmpunkt, der allen viel Spaß bereitet hat, war der Vormittag an einer Surfschule wo wir das Windsurfen, Kajak fahren und das FĂŒhren eines Kite-Schirmes ausprobieren konnten. Nachdem die ganze Gruppe mit NeoprenanzĂŒgen ausgestattet wurde, ging es hinunter zum Meer, das hier in einer geschĂŒtzten Bucht gelegen, gute Vorraussetzungen fĂŒr AnfĂ€nger, aber auch fĂŒr Profis bietet. Surflehrer erklĂ€rten auf Englisch, Französisch und sogar auf Deutsch, wie die Bretter, Segel und Paddel am besten zu handhaben seien und schon ließ man uns aufs Wasser. Die meisten schafften es sich fĂŒr ein paar Minuten auf dem Brett zu halten und wenn man doch mal ins Wasser fiel oder zu weit abtrieb, kamen die Surflehrer der Surfschule um uns mit einem Motorboot wieder einzusammeln und uns an der fĂŒr uns gĂŒnstigsten Stelle wieder abzusetzen.

AusflĂŒge

Neben den SportaktivitĂ€ten am Strand und den Debatten haben wir AusflĂŒge zum Hafen in Dakhla, in die Mediathek, die Schule Hassan II und die Einkaufstraße gemacht.
Der Hafen Dakhlas liegt etwa 7 km sĂŒdlich der Stadt, sodass wir, wie immer, in unseren Kleinbussen angereist sind. Am Hafen angekommen haben wir diese zunĂ€chst verlassen, mussten dann aber wieder einsteigen, da der Weg zu dem Teil des Hafens, den wir uns ansehen wollten, von einem anderen Parkplatz aus kĂŒrzer war. Allein diese kleine Geste zeigt schon, dass unsere marokkanischen Gastgeber immer darauf bedacht waren, uns jeden erdenklichen Luxus zu bieten und uns so einen wunderbaren Aufenthalt zu beschaffen. Obwohl Dakhlas Wirtschaft zu einem großen Teil auf der Fischerei beruht, war auf dem Hafen kaum Betrieb und es waren nur wenige Arbeiter zu sehen. Zudem ist er nicht mit einem modernen europĂ€ischen Hafen zu vergleichen. Die Fischerboote schienen eher alt. Dennoch war der Hafen sehr groß und die Boote zahlreich, sodass man schon den Eindruck hatte, damit einiges erwirtschaften zu können.

Die Mediathek von Dakhla liegt im Gegensatz zum Hafen sehr zentral. Dort wurden uns zunĂ€chst anhand einer Karte einige Informationen zu Dakhla und Marokko gegeben. Daraufhin hatten wir leider nur ein paar Minuten Zeit, uns umzusehen, da im Anschluss die Debatte zum Thema „Gleichheit: Mann – Frau“ gehalten werden sollte. Die Zeit reichte aber dafĂŒr aus, ĂŒber ein rosafarbenes MĂ€rchenbuch mit Grimms Dornröschen, Rapunzel, Schneewittchen, Aschenputtel und Co zu schmunzeln, das mir in der Kinderabteilung aufgefallen war.

An einem anderen Tag haben wir uns recht spĂ€t (es war bereits dunkel) auf den Weg zur Schule Hassan II gemacht, der Schule, die Hamdi, unser „Hauptleiter“, leitet und die die meisten, wenn nicht sogar alle der marokkanischen Teilnehmer besucht haben oder zu diesem Zeitpunkt besuchten. Hamdi hat uns ein Programm vorgestellt, dass er seinen SchĂŒlern kostenfrei anbietet und bei dem die SchĂŒler wĂ€hrend drei Schuljahren zusĂ€tzlichen Unterricht in Englisch, Französisch oder Spanisch bekommen.
Zur Besichtigung standen nur wenige KlassenrĂ€ume offen. Von einer Marokkanerin haben wir erfahren, dass in einer Klasse bis zu 60 SchĂŒler unterrichtet werden – fĂŒr uns unvorstellbar, da es hier in den unteren Stufen schon bei 30 SchĂŒlern sehr laut werden kann. Auch wenn ich an dieser Stelle gerne noch einen Blick auf die naturwissenschaftlichen RĂ€umlichkeiten geworfen hĂ€tte, war die Besichtigung der Schule fĂŒr mich sehr interessant, da man als SchĂŒler natĂŒrlich den direkten Vergleich zu einer deutschen Schule aufstellen konnte. Das Fazit ist ganz klar, dass sich die meisten Schulen doch alle irgendwie Ă€hneln.

In der „Einkaufsstraße“ von Marokko waren wir zweimal, einmal relativ zu Beginn und dann noch einmal am Tag der Abreise, um die letzten Souvenirs zu ergattern. Jedoch kann der Begriff „Einkaufsstraße“ kaum verwendet werden, wenn dabei Gedanken an GroßstĂ€dte wie Köln, Essen oder MĂŒnster kommen. Selbst die Einkaufspassage in Marl-HĂŒls ist wesentlich grĂ¶ĂŸer als die Dakhlas.
Dort gibt es in einem netten GĂ€sschen mehrere kleine LĂ€dchen, die neben traditioneller Kleidung die offenbar typischen Decken, die wir auch in unseren Zimmern hatten, manche Parfums und wenige Drogerieartikel verkaufen. SpĂ€ter kamen wir an einem Zeitungsstand, an dem es Postkarten gab, und an einem kleinen Innenhof mit mehreren SchmucklĂ€dchen vorbei. GrĂ¶ĂŸere KaufhĂ€user gibt es dort gar nicht. Ein Großteil der auslĂ€ndischen Teilnehmer hat sich in der Stadt traditionell eingekleidet, was die Marokkaner sehr gefreut hat.

Ausflug zur Duna Blanca

Ein besonderes Highlight unseres Aufenthaltes war die Fahrt zur Duna Blanca, ca. 45 Minuten außerhalb Dakhlas in der WĂŒste gelegen. Weit und breit war nichts als WĂŒste zu sehen – wir hatten die Halbinsel anscheinend lĂ€ngst verlassen, da das Meer nicht mehr sichtbar war – als wir dann am menschenleeren Straßenrand stehen geblieben sind und die Fahrzeuge vorfanden, die uns weiter voranbringen sollten:  ein "pick-up"-Ă€hnlicher GelĂ€ndewagen namens 4x4.
Die LadeflĂ€che des ersten Wagens wurde mit ca. neun oder zehn Leuten gefĂŒllt – eindeutig zu vielen, sodass ein bequemer Transport undenkbar war, und schon verschwand der Wagen hinter den endlosen weiten DĂŒnen der WĂŒsten. Auch auf der LadeflĂ€che des zweiten Wagens wurde Platz genommen, doch nach wenigen Minuten blieb der "GelĂ€nde"-Wagen bergauf im Sand stecken, sodass der Albtraum jedes WĂŒstenbesucher zur RealitĂ€t wurde: Wir waren alleine, verlassen, ohne GetrĂ€nke mitten im Nirgendwo in der WĂŒste. Einzige KuriositĂ€t: Es gab wirklich ein Mobilfunknetz. So telefonierte einer der Organisatoren, und nachdem diese Gruppe ĂŒberholt wurde von dem nĂ€chsten "Jeep", wurde weiter gewartet, und ein neuer Wagen kam, sodass die wilde, fast lebensbedrohliche Fahrt ĂŒber die DĂŒnen weiterging. Ein unglaubliches, dank der blauen Flecke von der metallenen LadeflĂ€che unvergessliches Erlebnis.
Über die letzte DĂŒne gefahren ergab sich uns jedoch ein wundervoller Ausblick, fĂŒr den sich jeder Schmerz und jeder furchterregende Augenblick gelohnt hatte. Eine riesige weiße DĂŒne erstreckte sich vor uns, die Duna Blanca, umgeben von leichten laguneblauen Wellen. Dort verbrachten wir einige der wunderschönsten Momente, wĂ€hrend wir die DĂŒne hinaufstiegen, die starke Meeresbrise und die warmen Sonnenstrahlen in unseren Gesichtern genossen und schwimmen gingen – traumhaft.
Auf dem RĂŒckweg machten wir noch einen kleinen Abstecher in einen anderen Teil der WĂŒste, um bei untergehender Sonne noch eine Kamel-Karawane zu sehen – ein absolutes Muss fĂŒr jeden Marokkobesuch. NatĂŒrlich nicht ohne eine weitere Kaffeepause und ein Abendessen mit ĂŒbersĂŒĂŸtem Tee auszulassen, endete einer der ereignisreichsten, landschaftlich eindeutig wunderschönsten Tage unseres interkulturellen Treffens in Marokko.

Fazit

Ein wirkliches Fazit unserer Marokko-Reise zu ziehen, ist schwer. Es war nicht immer leicht, mit so vielen verschiedenen Menschen auf engem Raum auszukommen. Die jeweiligen Lebensgewohnheiten wiesen so große Unterschiede auf, dass einige Konflikte nicht zu vermeiden waren. So nervte die EuropĂ€er das stĂ€ndige Warten auf Irgendetwas und Irgendjemand, wĂ€hrend die Marokkaner und PalĂ€stinenser den Tanzunwillen der EuropĂ€er nicht verstehen konnten.
Aber genau dafĂŒr sind wir schließlich nach Marokko gefahren. Es ging darum, andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass man alles Fremde gutheißen oder gar ĂŒbernehmen muss, aber man muss es als Teil einer anderen Kultur und Lebensweise akzeptieren. Das Treffen in Dakhla hat sicher bei allen Beteiligten die Bereitschaft vergrĂ¶ĂŸert, sich auf anderes einzulassen; außerdem wurde das Interesse an den Teilnehmer-LĂ€ndern erheblich vergrĂ¶ĂŸert.
Es ehrt uns, dass wir die Chance hatten, an dieser Begegnung teilzunehmen und fĂŒr diese Chance möchten wir allen Beteiligten, insbesondere dem Partnerschaftsverein und der HĂŒls-Stiftung, in besonderem Maße danken.

(Constanze Lieb)

 

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