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Fest der Vereine 2013

Creil, die französische Partnerschaftsstadt von Marl, ist einmal im Jahr das  Ziel einer fröhlichen Pilgerfahrt Marler BĂĽrger. Zum  Fest der Vereine sind sie dort gern gesehene Gäste. Nicht nur weil sie sĂĽffiges, deutsches Bier mitbringen.

In diesem Jahr war die Wochenendreise in die franz. Provinz eine Veranstaltung der besonderen Zahlen und Ereignisse:

Vor 50 Jahren wurde der Vertrag zur deutsch französischen Freundschaft geschlossen. Deshalb machten sich 50 Marler BĂĽrger auf die 10x50 km lange Reise um mit 50 anderen Vereinen das Fest der Vereine in Creil zu feiern. Die Teilnehmer aus Marl waren alle älter als 50. Aber wenn es um das Alter geht sind Zahlen häufig  unwichtig. Es kommt auf die innere Einstellung an, ob man alt oder jung ist. Und hier hatte sich eine aktive, interessierte und fröhliche, im Herzen junge Gruppe zusammengefunden.

Da Paris nur 50 km von Creil entfernt ist, war ein Ausflug dorthin Pflicht. Die Seine Stadt zeigte sich wie immer eindrucksvoll und geschichtsträchtig. Die vielen Sehenswürdigkeiten hatten auch viele anderen Touristen angezogen. Es war ein Gedränge und Geschiebe wie auf dem Volksparkfest. Manch einer sehnte sich heimlich nach Marl zurück, unserer beschaulichen Stadt im Grünen.

Dann, bei der Weiterfahrt, fehlte ein älterer Herr. Er war auch nach längerer Suche nicht aufzufinden. Die Gruppe machte sich grosse Sorgen. Es entwickelten sich die wildesten Vermutungen zu seinem Verschwinden. Je nach Phantasie reichte das von VerfĂĽhrung durch gewerbsmässige Damen bis zu Ăśberfall und Ermordung. Aber dem verlorenen Schaf ging es gut. Er konnte sich weder in englisch noch französisch verständlich machen, aber er sprach Passanten solange in seiner Muttersprache an, bis er einen jungen Franzosen fand, der ein wenig deutsch sprach. Den rĂĽhrte anscheinend die Hilflosigkeit des älteren Herrn. Er nahm  ihn an der Hand und lotste ihn quer durch Paris bis zum Gare du Nord. Dort setzte er ihn in den Zug nach Norden und vertraute ihn einem Mitreisenden an, der die Betreuung bis zur Station Creil ĂĽbernahm.

So schaffte es der verloren gegangene Senior  unbeschadet bis in das Hotel zurĂĽck. Ein aufregendes Abenteuer, aber zum GlĂĽck ein Happy End  und ein schönes Bespiel fĂĽr  praktizierte deutsch französische Freundschaft.

Die Reisegruppe führte unterdessen ihre Stadtbesichtigung fort. Eine Seinefahrt und ein typisches französisches Mahl waren dabei Höhepunkte.

Der nächsten Tag begann mit einer Stadtbesichtigung in Creil. Die Stadt an der Oise hat viel Ähnlichkeit mit Marl. Auch hier sind die Folgen des Strukturwandels zu erkennen. Auch hier wurde noch kein gleichwertiger Ersatz für verloren gegangene Industrien gefunden.

Gegen Mittag eröffnete der BĂĽrgermeister das Fest der Vereine auf der Oise Insel . Die Marler hatten eine Musikerformation der Musikschule unter Leitung von Brigitte Braunstein mitgebracht. Diese Gruppe hatte die Ehre, das Fest mit ihren Darbietungen zu eröffnen. Als Referenz gegenĂĽber den französischen Freunden nannten sie sich "les Marleillaises" , in Anlehnung an die franz Nationalhymne, die "Marseillaise". Mit ihrer Sängerin Samira M. begeisterten sie die Zuschauer.

Aber das war nicht alles, was die Marler zu bieten hatten. Die Anwesenden wurden mit einem zusätzlichen Schmankerl ĂĽberrascht. In einer spontanen Aktion stĂĽrmten 20 Marler und Marlerinnen die BĂĽhne. Von der Band gekonnt begleitet sangen sie temperamentvoll und  originell deutsche Volkslieder. Da hörte man zwar keine jungen Tenöre, aber eine Menge, bisher unerkannte Talente. Eine Freude fĂĽr Augen und Ohren. Das Volkslied, ein Musikgenre, das in Deutschland belächelt wird, wurde hier im Land der Chansons begeistert aufgenommen.

Nachmittags ging es dann wieder zurĂĽck nach Deutschland.

Es war ein schönes und aufregendes Wochenende für alle Teilnehmer. Aber in der Heimat ist es anscheinend doch am schönsten . Denn Als Marl in Sicht kam hörte man eine sehnsuchtsvolle Stimme singen: Marl, Marl nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein......

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